Wie jedes Jahr… wird in den vierten Klassen das Thema Sexualität behandelt. Manche drücken sich davor und machen nur das Mindeste, manche erklären es lang und breit, manche schieben es ganz auf die Eltern ab. 😉

Wie ihr alle wisst, zähle ich mich eher zu den „lang und breit“-Erklärerinnen. 😀 Immerhin… letztes Jahr um diese Zeit gab es dabei eine Herausforderung, die mich zu „drastischen Maßnahmen“, nämlich einem „Viertstudium„, bewegte.

Und wie immer – sagt einem der Hausverstand, daran wird man in der Ausbildung auch ständig erinnert – muss man individualisieren. Jedes Kind ist anders und auf Grund dessen ergibt sich eine ganz andere Dynamik und die Klasse ist anders.

Aber… wie jedes Jahr, gehe ich doch ziemlich genau (aber kindgerecht) auf die Fragen ein. Letztes Jahr war ich kurz sprachlos. Alle meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass es bei mir keine Tabuthemen gibt. Wenn ich etwas wirklich nicht sagen möchte, dann tu ich das kund („Das sag ich euch nicht.“ „Das ist nicht für eure Ohren bestimmt.“ etc.). Das schafft ein gewisses Vertrauen und insofern wissen die Kinder, sie können mich alles fragen (noch dazu hat es sich scheinbar herumgesprochen, dass ich viel weiß 😀 Ich werde ja sogar schon privat von Kindern zitiert).

Und nur so zum Vergleich, möchte ich hier nun ein paar Fragen wiedergeben, vom letzten Jahr und von heuer. Letztes Jahr unterrichtete ich nur 3 Stunden in einer 4. Klasse und durfte sie „aufklären“. Nach einer Stunde wie aus dem Schulbuch, waren dann das ihre Fragen:

  • Hast du Sex? – ja
  • Hast du einen Mann? – nein (es war Partner gemeint)
  • Wie kannst du dann Sex haben? – …
  • Was ist ein Porno?
  • Warum lutschen Frauen am Penis vom Mann?
  • Warum stöhnt man beim Sex?
  • Wieso macht Sex nur den Männern Spaß?

DAS waren für mich Fragen von 10-jährigen Kindern, auf die ich nicht vorbereitet war. Aber… klarerweise ging ich nach bestem Wissen und gewissen darauf ein und entschloss mich für Sexualpädagogik. Bestens vorbereitet ging ich nun heuer auch wieder dieses Thema an. Wählte aber als Unterstützung ein anderes Buch (aus meiner Sicht kindgerechter) und folgende Fragen wurden an mich gerichtet:

  • Und wenn der Penis beim Sex stecken bleibt?
  • In der Pubertät bekommt man ja so einen türkisen Faden rein, oder? (Nur auf die Mädchen bezogen, gemeint waren Tampons.)
  • Blutest du auch? (auf die Menstruation bezogen)
  • Wie groß wird der Penis? Wann ist er ausgewachsen?
  • Wann beginnt „die Veränderung“? (gemeint war das Wachsen der Schambehaarung, usw.)
  • Wozu ist dann die Spirale?
  • Ist das Kondom nicht größer? Auf den Plakaten sieht das immer so riesig aus…

Vielleicht liegt es daran, dass das nun „meine“ Klasse ist… aber man merkt doch einen Unterschied, oder? „Meine“ Kinder sind – für meinen Geschmack – noch natürlicher, kindlicher und aus dem Grund normaler. DAS sind Fragen, die ich nachvollziehen kann. Und klar wird da viel gelacht und in-sich-hineingegrinst bei gewissen Wörtern. Aber sie kennen sich aus.

Lustig war es heut auch, als ich gefragt wurde, wie sich denn der Hodensack verändere. Und ich begann dies auf der Tafel zu zeichnen. Nach dem ersten Strich drehte ich mich um und meinte: „Wenn jetzt wer reinkommt Kinder… die glauben wir sind verrückt!“ Einen Moment später öffnet unsere Frau Direktor die Tür. Alle Kinder brechen in volles Gelächter aus. Die Direktorin hat keine Ahung, schaut zur Tafel und sieht das Wort „SCHLAMPE“ geschrieben, gleich über den Bezeichnungen für die männlichen und weiblichen Geschlechtsteile. 😀 Und daneben der Beginn meiner grafischen Darstellung. Etwas entsetzt verlässt sie wieder den Raum.

Dazu muss ich sagen, dass die Tafel einfach nur schlecht gelöscht war. Erst davor spielten wir ein Spiel und ich notierte das Wort „Schreibtischlampe“. Manchmal… echt… wie der Zufall es so will. 😉

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